Natur hautnah erleben
Im Dschungel des Unteren Odertals
Monatelang gehörten die Gewässer des Unteren Odertals ganz den Bewohnern der Natur. Nach der Brutzeit der Vögel öffnete sich am 15. Juli das verzweigte Wasserlabyrinth wieder für Besucher. Redakteurin Jana Krone hat an der ersten geführten Kanutour des Jahres teilgenommen.

Eine Kanutour durch die unberührte Oderlandschaft mit einem Ranger ist ein besonderes Erlebnis. Redakteurin Jana Krone (li.) war dabei.
Fotos (3): SPREE-PR/ Krone und privat
„Willkommen in meiner Welt voller Naturwunder“, begrüßt Stefan Pätzold (39) unsere kleine Gruppe aus zwei Omas, drei Enkeln und uns am Bootshaus des Campingplatzes StroamCamp in Schwedt. Er ist einer der sechs Kanuführer des Nationalparks. Mit zwei Kanus und einem Kajak startet das Abenteuer wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche. Doch schon nach wenigen Paddelschlägen wird es anstrengend: Die Boote müssen über den Deich der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße geschleppt werden. Die historische Wasserstraße verbindet Berlin direkt mit der Ostsee. Als der Rumpf schließlich sanft ins Wasser des Fittesees gleitet, lassen wir den Alltag hinter uns.
Störche, Baumskelette und Geschichten am Ufer
Über die gemähten Wiesen am Ufer schreiten Störche, suchen nach Fröschen. Eine Kuh schaut neugierig über das Schilf und auf abgestorbenen Baumskeletten thronen Kormorane.
Mit jedem Paddelschlag gleiten wir tiefer ins Schutzgebiet. „Früher waren Kähne unser wichtigstes Transportmittel“, erzählt unser Tourleiter Stefan Pätzold. „Sie brachten Kies, Tierfutter und Spargel in die Oderstadt.“ Als Kind hat er das feine Spargelkraut in Blumensträuße für die Mutter gebunden. Mit seinem Paddel zeigt er auf die leuchtend violetten Blüten des Blutweiderichs und das filigrane Pfeilkraut, das an Mini-Orchideen erinnert.

Durch einen Urwald aus Seerosen
Unser Boot gleitet durch ein Meer aus Seerosen, deren breite Blätter den Rumpf festzuhalten scheinen. Von den Seiten greifen Schilfarme nach den Paddeln, als wollten sie die Durchfahrt versperren. Manuela Piericke (64) aus Frankfurt an der Oder schwärmt: „Die Wasserlinsen haben einen dichten, grünen Teppich gebildet, wunderschön.“ Später erzählt der zwölfjährige Terence begeistert von Brücken, unter denen sich alle tief ins Boot duckten, um nicht hängen zu bleiben. Und Henry (12) sagt: „Es war wie eine Fahrt durch einen Urwald.“

Mit Herzblut auf dem Wasser
Immer wieder entdecken wir Spuren der Biber, hören das Rufen eines Kranichs und manchmal schreckt ein Vogel direkt vor uns auf. Dass diese Entdeckungstour so spannend und trotzdem entspannt bleibt, liegt an unserem Tourführer. „Seit meinem zwölften Lebensjahr trainierte ich im Schwedter Kanuclub, wurde mit 16 Jahren Übungsleiter. Ich kenne hier jedes Fließ, liebe die Natur, die sich immer wieder verändert. Meine Begeisterung für meine wunderschöne Heimat möchte ich mit anderen teilen.“ Uns hat der gebürtige Schwedter, der hauptberuflich im PCK arbeitet, in vier Stunden mit seiner Begeisterung für eine der faszinierendsten Flusslandschaften Deutschlands angesteckt.
Praktische Infos zur Tour
✘ 7,2-km-Tour: 55 € pro Person, 20 € für Kinder bis 12 Jahre; 35 € für Jugendliche bis 16 Jahre.
✘ 11-km-Tour: 60 € pro Person, 20 € für Kinder bis 12 Jahre; 40 € für Jugendliche bis 16 Jahre.
Anmeldung & Startpunkt: StroamCamp | Regattastraße 1, 16303 Schwedt/Oder
Tel.: 03332 449-470
E-Mail: info@stroamcamp-schwedt.de
