Wie digitale Optimierer Haushaltsbudgets entlasten können
Die (Gas)heizung wird klüger

Mit einem Fachmann an der Seite sind Sie gut beraten. Und vorher checken Sie am besten noch, welches Heizsystem vorhanden ist und welche Nachrüstkonzepte es gibt.
Foto: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
Die nächste Heizsaison steht schon in den Startlöchern. Wer sich jetzt „schlau macht“, kann Geld sparen.
In deutschen Heizungskellern ist die Gasheizung noch längst nicht Geschichte – sie wird sogar deutlich schlauer. Denn immer mehr Haushalte rüsten kleine, lernfähige Steuerungen nach, die das Heizsystem besser einstellen als jeder Mensch von Hand.
Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Gas auf Wohlfühltemperaturen gebracht. Rund 7,9 Millionen Gas-Brennwertkessel sind in Betrieb – über die Hälfte davon mindestens seit 20 Jahren (Quelle: Statista). Aufgrund des Alters wird der bisherige Kessel häufig nachgerüstet – beispielsweise mit neu konzipierten Reglern und Systemen.
Smart steuern = sparen?
Lohnt sich die Investition in eine smartere Heizungsanlage? Die Einsparbeträge variieren genauso wie die Systeme, die im Einsatz sind. Betrachtet man lediglich die Absenkung der Temperatur, ist das Einsparpotenzial bei älteren Häusern deutlich größer als bei modernen Wohnungen und Häusern.
Grundsätzlich lassen sich nicht nur durch Temperaturverringerung, sondern auch durch eine intelligente Steuerung Kosten sparen. So berichtet die gemeinnützige Energiespar-Beratungsgesellschaft co2online von Heizkosten-Einsparungen zwischen 9 und 15 Prozent. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik nennt bis zu 19 Prozent. Bei Anschaffungskosten von etwa 320 bis 800 Euro für ein komplettes System amortisiert sich die Investition damit oft schon innerhalb von ein bis zwei Jahren.
Quelle: BDH

Foto: Branchennetzwerk/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
Mitgedacht und mitgemacht
Warum smarte Steuerungen besser als ein fester Zeitplan funktionieren, liegt auf der Hand: Sie lassen die Heizung vorausschauend arbeiten. Das Prinzip dahinter ist ein selbstlernender Algorithmus, der die Wärme, die ein Raum benötigt, berechnet und dafür zum Beispiel die Wetterdaten, Gebäudeeigenschaften und Nutzungsverhalten einfließen lässt.
Unabhängig von der Verwendung smarter Unterstützung weist der DVGW* darauf hin, dass die smarte Steuerung nicht die Überprüfung der Grundsicherheit der Anlage überflüssig macht: Der Verband empfiehlt unabhängig von jeder Software einen jährlichen Sicht-Check der Gasleitungen und -geräte sowie alle zwölf Jahre eine Dichtheitsprüfung durch einen Fachbetrieb.
* Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.
Hintergrund
Eine smarte Steuerung ist ein Werkzeug, sie ist kein Ersatz für Dämmung oder ein bewusstes Heizverhalten. Wer die Heizung nach dem Einbau der smarten Steuerung dennoch hochdreht – im Glauben, dass sie jetzt ohnehin sparsamer sei – riskiert, dass ein Teil der Einsparungen wieder „aufgefressen“ wird. Kritisch hinterfragen sollte man auch Hersteller der smarten Technik, die mit offensichtlich undurchsichtigen Zahlen werben.
Schnell-Check – nachrüsten, aber wie?
1. Heizungstyp klären
• Gastherme/Kombitherme an der Wand
• Heizkessel im Keller mit externem Raumthermostat
• mechanisches Thermostat direkt an der Therme
2. Gängigste Nachrüstkonzepte
• smartes Heizkörperthermostat: ersetzt den klassischen Drehknopf, passt auf fast jeden Heizkörper und lässt sich meist ohne Fachkraft montieren (auch für Mietwohnungen geeignet – u. a. tado°, Netatmo, Homematic IP, Eqiva)
• smartes Raumthermostat: ersetzt bei vorhandener 2-Draht-Steuerleitung das alte Wandthermostat und regelt die gesamte Anlage zentral; vorher prüfen: OpenTherm-fähig (fein moduliert) oder nur einfaches An/Aus-Signal? Kabelgebundene Varianten sollte eine Fachkraft anschließen
• Funkrelais am Kessel: Bei Steuerung direkt am Kessel lässt sich meist ein Funkrelais nachrüsten, das Kessel und App verbindet
3. Kosten im Blick
• Thermostat mit Zeitplan: ab ca. 10 €
• mit App-Anbindung: ab ca. 25 €
• mit App und Sprachsteuerung: ab ca. 50 €
• Komplettsystem für ein ganzes Haus: 320 bis 800 €
4. Vor dem Kauf prüfen
• Marke/Modell der Therme (Typenschild: Vaillant, Buderus, Junkers/Bosch, Viessmann …)
• bereits ein Kabel-Raumthermostat an der Wand vorhanden?
• WLAN-Empfang in Thermennähe?
• Kompatibilität mit vorhandenem Smart-Home-System (z. B. Fritzbox)?
• bei Mietwohnungen: Einbau vorher mit dem Vermieter absprechen
5. Datenschutz
Beim Herstellervergleich lohnt der Blick auf den Serverstandort. Anbieter mit Sitz in der EU unterliegen der strengeren Datenschutz-Verordnung als außereuropäische.
