Machbarkeitsstudie: klimafreundliches Wärmenetz
Fernwärme für Luckau?
Wie heizen wir morgen? Diese Frage beschäftigt Städte und Gemeinden in ganz Deutschland – auch Luckau. Die Stadt- und Überlandwerke GmbH Luckau – Lübbenau (SÜLL) haben in einer Machbarkeitsstudie untersucht, inwiefern eine flächendeckende und klimafreundliche Fernwärmeversorgung für Luckau möglich und gleichzeitig bezahlbar wäre. Die Ergebnisse liegen nun vor und wurden der Stadt Luckau übergeben.

Luckau aus der Vogelperspektive: Eine Machbarkeitsstudie der SÜLL hat eine nachhaltige Wärmeversorgung der Zukunft unter die Lupe genommen.
Foto: Luftaufnahmen Lausitz
„Eine zentrale Wärmeversorgung ist in Luckau nicht nur technisch möglich, sondern kann in weiten Teilen der Stadt auch wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden“, fasst Alexander Bauer, Projektleitung bei der SÜLL, zusammen.
Warum eine Machbarkeitsstudie?
Bislang wird in Luckau vor allem mit Erdgas geheizt. Doch die Anforderungen an eine klimafreundliche Wärmeversorgung wachsen. Mit dem Wärmeplanungsgesetz hat der Bund klare Ziele gesetzt: Bis 2045 soll in Wärmenetzen Schluss sein mit fossilen Energieträgern, künftig soll Wärme deutlich stärker aus erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme gewonnen werden. Vor diesem Hintergrund haben die SÜLL geprüft, inwiefern eine im ersten Schritt „mindestens 75% CO2-freie Wärmeerzeugung für Luckau“ möglich ist, welche Investitionen dafür notwendig wären und unter welchen Voraussetzungen sich ein solches Netz wirtschaftlich betreiben ließe. Die Grundlage dafür bildete das Bundesförderprogramm für effiziente Wärmenetze (BEW). Der Förderbescheid für die Machbarkeitsstudie ging am 29. August 2024 ein. „Damit konnte die umfassende Untersuchung starten“, so Alexander Bauer.
Was genau wurde untersucht?
Die Studie gliedert sich in drei zentrale Bereiche: Bestandsaufnahme, Analyse möglicher regenerativer Energiequellen und Entwicklung eines Zukunftskonzepts für die Fernwärmeversorgung. Zunächst wurde der aktuelle Wärmebedarf im Stadtgebiet ermittelt. „So entstand ein genaues Bild darüber, wo in Luckau besonders viel Wärme benötigt wird“, so der Projektleiter. „Besonders im Fokus standen große Wärmeabnehmer. Insgesamt wurden 81 dieser potenziellen Großkunden identifiziert. Dazu zählen unter anderem größere Wohngebiete, öffentliche Gebäude, Schulen, Gewerbebetriebe und weitere Einrichtungen mit hohem Bedarf. Gerade sie sind entscheidend dafür, dass ein Wärmenetz wirtschaftlich betrieben werden kann.“

Der Entwurf Fernwärmenetz Luckau zeigt die 1. Ausbaustufe: Ab 2029 könnten die Wohngebiete „An der Schanze“ und „Am Mühlberg“ ans Fernwärmenetz.
Grafik: SÜLL

Entwurf vom Endausbaustadium: Bis 2035 könnte Luckau über ein 7,2 Kilometer langes Fernwärmenetz verfügen.
Grafik: SÜLL
Der Ausbau
Ein erster Ausbauabschnitt könnte ab 2029 beginnen. Im Fokus stehen zunächst größere Wohngebiete wie „An der Schanze“ und „Am Mühlberg“ sowie angrenzende öffentliche Einrichtungen, darunter eine Schule. „In einer kurzen Übergangsphase könnte die Versorgung zunächst noch teilweise mit Erdgas erfolgen“, erklärt Alexander Bauer, „bis die klimaneutralen Erzeugungsanlagen vollständig zur Verfügung stehen und das Fernwärmenetz errichtet ist. Schritt für Schritt würde das Netz dann bis 2035 weiter ausgebaut.“ So könnte in Luckau ein Wärmenetz mit einer Trassenlänge von rund 7,2 Kilometern entstehen und das Wärmenetz jährlich insgesamt rund 22 Gigawattstunden Wärme liefern.
Förderung als Schlüssel
Entscheidend für attraktive Wärmepreise sind Fördermittel. „Über das BEW-Programm können derzeit bis zu 40 Prozent der Planungs- und Investitionskosten gefördert werden“, so Bauer. Zusätzliche Fördermöglichkeiten über städtebauliche Programme mit bis zu 90%iger Förderung könnten die Kosten weiter senken. Je höher eine Förderung, desto günstiger gestalte sich der Wärmepreis.

Der ermittelte jährliche Wärmebedarf im Untersuchungsgebiet der Machbarkeitsstudie.
Grafik: SÜLL
So geht’s weiter
Die Machbarkeitsstudie wurde am 19. März an Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann übergeben. Nun beginnt die nächste Phase: Für weitere konkrete Planungen sind vorab die BEW-Fördermittel für die nächsten Planungsstufen zu beantragen und weitere Fördermöglichkeiten durch die Stadt Luckau zu prüfen. Erst nach Vorliegen der Förderbescheide können die weiterführenden Planungsleistungen beauftragt werden. Konkrete Gespräche mit den ersten großen Wärmekunden sollen geführt werden. Die Stadt Luckau unterstützt das Vorhaben. Für erste Teilgebiete gibt es bereits positive Signale und Förderzusagen.
Fazit: Die Wärmewende in Luckau nimmt für einzelne Stadtgebiete Gestalt an. Mit einem modernen Fernwärmenetz könnte die Stadt einen wichtigen Schritt in Richtung Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und regionaler Unabhängigkeit von fossilen Energien und in geopolitischen Krisen schaffen. Eine gute Basis für die nachhaltige Wärmeversorgung kommender Generationen.
Vorteile Fernwärme
- klimafreundliche Wärme-versorgung
- weniger Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten
- Nutzung regional verfügbarer Energiequellen
- langfristig stabile und kalkulierbare Wärmekosten
- regionale Wertschöpfung