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Interview

„Der Kommunale Wärmeplan kann den Unterschied zwischen einer guten und einer sehr teuren Entscheidung machen.“

Von Jule Fuchs, SWZ-Autorin

Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral heizen. Das heißt, weg von fossilen Energiequellen wie Gas und Öl und hin zu erneuerbaren Energien. Wie kann der Kraftakt Wärmewende gelingen? Darüber sollen Kommunale Wärmeplanungen regional Aufschluss geben und Haushalte vor Preisschocks schützen. Was dahintersteckt, erklärt Kommunikationsexperte Alexander Balow.

Am 30. Juni müssen die Kommunalen Wärmeplanungen für Städte mit über 100.000 Einwohnern stehen. Im Land Brandenburg betrifft das erst mal nur die Landeshauptstadt Potsdam. Städte und Kommunen mit 10.000 bis 100.000 Einwohnern haben zwei Jahre länger Zeit, gemeinschaftliche Wege zur CO₂-freien Wärmeversorgung aufzuzeigen. Einige sind auch schon fertig damit. Viele Eigentümer befürchten, dass die Kommunale Wärmeplanung sie eine neue Heizung kostet. Alexander Balow hat in Dutzenden Gemeindeversammlungen erlebt, wie aus dieser Sorge Klarheit wurde. Der Experte begleitet Kommunen und Energieversorger dabei, sich für die Zukunft aufzustellen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was die Kommunale Wärmeplanung für Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

Herr Balow, Sie sind viel in den Gemeinden unterwegs. Was hören Sie dort?

Viel Sorge. Ich höre den gleichen Satz in fast jeder Gemeinde: „Müssen wir jetzt unsere Heizung rauswerfen?“ Meine Antwort ist immer dieselbe: Nein. Niemand wird gezwungen. Solange die Heizung funktioniert, bleibt sie drin – heute wie nach dem Wärmeplan. Diese Sorge muss ich oft zuerst auflösen, bevor ich überhaupt erklären kann, worum es wirklich geht.

Alexander Balow leitet Kommunikationsprojekte bei der Agentur 2020 GmbH in Schwerin. Er begleitet Kommunen bei der Einführung der Kommunalen Wärmeplanung.
Foto: David Garbe

Worum geht es denn?

Um dich. Um dein Geld. Um deine Ruhe, wenn du an die nächsten Jahre denkst. Eine neue Heizung kostet zwischen 15.000 und 25.000 Euro und hält rund zwanzig Jahre. Das ist eine große Entscheidung. Wer sie trifft, ohne zu wissen, was in der eigenen Straße passiert, kann teuer danebengreifen. Genau dafür gibt es den Wärmeplan. Er zeigt schwarz auf weiß: Kommt bei dir Fernwärme – oder ist eine eigene Lösung im Haus sinnvoller? Diese eine Information kann den Unterschied zwischen einer guten und einer sehr teuren Entscheidung machen. Deshalb ist der Plan für jede und jeden wichtig, nicht nur für Leute, die gerade bauen.

Können Sie den Plan in einem Satz erklären?

Man stelle sich eine Landkarte der Gemeinde vor, in vier Farben eingeteilt. Eine Farbe für Straßen, in die Fernwärme kommt oder schon fließt. Eine für Straßen, wo eine eigene Lösung im Haus besser passt, zum Beispiel eine Wärmepumpe. Eine für die wenigen Gebiete, in denen Wasserstoff später eine Rolle spielen könnte. Und eine für Gebiete, die noch geprüft werden. Mehr nicht. Es ist ein Angebot, keine Pflicht.

Die Landkarte klingt logisch. Trotzdem winken viele ab: „Mich betrifft das nicht, meine Heizung läuft ja.“ Was sagen Sie denen?

Ich verstehe das. Wer macht sich freiwillig Gedanken über etwas, das erst in zehn Jahren ansteht? Meine Erfahrung aus den Versammlungen ist: Genau da passieren die teuren Fehler. Heizungen gehen irgendwann kaputt, oft plötzlich, meist im Winter. Dann muss es schnell gehen, und in der Eile wird das Erstbeste eingebaut. Wer dann zum ersten Mal hört, dass nächstes Jahr Fernwärme in die Straße gelegt wird, ärgert sich schwarz. Wer den Plan einmal angeschaut hat, kann in Ruhe entscheiden. Fünfzehn Minuten jetzt – für eine Entscheidung, die zwanzig Jahre hält.

Und wer gerade überlegt, seine Heizung zu erneuern?

Dann gilt ein einfacher Reflex: Vor dem Einbau einmal beim Stadtwerk anrufen und nachfragen, was in der eigenen Straße geplant ist. Frag nach, was für deine Straße geplant ist. Die Auskunft kostet nichts. Was sie erspart, kann erheblich sein. Ein Heizungsbauer hat es mir neulich so gesagt: „Wenn meine Kunden vorher anrufen, wird es selten teuer. Wenn sie erst danach fragen, manchmal richtig ärgerlich.“ Wenn der Plan der Gemeinde noch nicht ganz fertig ist, geben gute Versorger schon jetzt Auskunft. Das ist keine Fachfrage, das ist ein Anruf.

Was macht Ihnen in Ihrer Arbeit Mut?

Die Momente, in denen Sorge in Verständnis kippt. Ich war vor ein paar Wochen in einer Gemeindeversammlung. Eine ältere Dame kam nach vorn und fragte leise, ob sie denn überhaupt noch dürfe, was sie immer gemacht habe. Wir haben vielleicht fünf Minuten geredet. Am Ende lächelte sie und sagte: „Na, dann kann ich ja ruhig schlafen.“ Genau dafür machen wir das. Nicht für Pläne in Aktenordnern, sondern für diese fünf Minuten, in denen jemand entspannter nach Hause geht.

Wie können sich Bürgerinnen und Bürger am besten orientieren?

Grundsätzlich: Das Stadtwerk ist die erste Adresse: Website, Beratungstelefon, der nächste Infoabend. Auch das Amtsblatt der Gemeinde informiert regelmäßig. Wenn etwas unklar ist, nachfragen. Stadtwerke und Gemeinden erklären so lange, bis es sitzt. Man muss kein Experte werden, nur wissen, wo sein Haus auf der Karte liegt. Alles andere ergibt sich.

Was ist die Kommunale Wärmeplanung?

Die Kommunale Wärmeplanung (KWP) ist ein gesetzlich vorgeschriebener Fahrplan: Städte und Gemeinden analysieren ihren aktuellen Wärmebedarf und legen fest, wie die Versorgung künftig klimafreundlich und bezahlbar gestaltet wird.