Arbeitsalltag der Strommonteure
Nah am Strom
Es ist 8 Uhr: Für die Strommonteure der Stadt- und Überlandwerke GmbH Luckau – Lübbenau (SÜLL) beginnt der Arbeitstag auf dem Betriebsgelände in Luckau. Für Mario Seehaus und Gunther Reppich geht es heute mit dem Steiger nach Gehren (Gemeinde Heideblick). Hier werden erst Bäume verschnitten, damit die Stromleitungen frei bleiben. Dann steht die Erneuerung vom Vogelschutz an den Freileitungen an.

An einer Freileitung erneuert ein Strommonteur den Vogelschutz,
der die Tiere vor Stromschlägen schützt.
Foto: SÜLL/Gollasch
Nur zwei von vielen Aufgaben von Strommonteuren. Sie sorgen hinter den Kulissen dafür, dass der Strom rund um die Uhr zu den Menschen gelangt. Denn ohne Strom läuft gar nichts. Wir sprachen darüber mit dem Netzmeister Maik Schier. Er ist seit 20 Jahren bei dem Energieversorger aus dem Spreewald und lässt uns hinter die Kulissen schauen.
Was sind denn genau die Aufgaben eines Strommonteurs?
Unser Team besteht aus acht Mann in Luckau und in Lübbenau. Sie betreuen ein Leitungsnetz von fast 950 Kilometern Kabeln und Freileitungen im Mittel- und Niederspannungsnetz, rund 9.700 Hausanschlüsse sowie mehr als 350 Trafo- und Schaltstationen. Sie legen Hausanschlüsse, bauen Sicherungen und Stromzähler ein und klettern auf Strommasten. Die Männer müssen schwindelfrei sein und obendrein etliche Sicherheitsmaßnahmen wegen des Stroms beachten.
Wie startet ein typischer Arbeitstag?
Um 7 Uhr. Zuerst wird geschaut, ob über Nacht Störungen eingegangen sind. Diese haben immer Priorität. Ansonsten stehen geplante Arbeiten wie Wartungen, Netzumbauten oder Anschlüsse auf dem Programm. Kein Tag ist wie der andere. Meine Aufgaben sind, die Arbeiten zu koordinieren, sicherzustellen, dass gesetzliche Vorgaben und der Arbeitsschutz eingehalten werden.“

Achtung Kabelprüfung: Bei Störungen kommt der Messwagen zum Einsatz, um unterirdische Schadstellen zu lokalisieren.
Was passiert bei einer Störung oder Havarie?
Geht eine Störmeldung ein, fährt ein Monteur raus und prüft die Lage vor Ort. Mit Messgeräten und Netzplänen wird der Fehler eingegrenzt. Bei Kabelschäden kommt unser Kabelmesswagen zum Einsatz, mit dem sich die Schadstelle im Erdreich sehr genau bestimmen lässt. Es wird eine Überspannung auf das Kabel gegeben. Im Erdreich entsteht ein hörbarer Knall, genau an der Schadstelle. So können wir den Fehler sehr präzise lokalisieren, teilweise auf wenige Zentimeter genau. Partnerfirmen übernehmen dann die Reparatur.
Man sollte also schon flexibel und wetterfest sein?
Ja, Störungen passieren das ganze Jahr über – auch bei Frost, Sturm oder Schnee. Besonders Stürme sorgen immer wieder für Schäden an Freileitungen, etwa von umgestürzten Bäumen. Dann sind oft mehrere Teams gleichzeitig im Einsatz. In unwegsamem Gelände kommt unsere Drohne zur exakten Lokalisierung von Freileitungsschäden zum Einsatz, auch das Besteigen von Holzmasten müssen die Kollegen beherrschen.
Thema Sicherheit: Was muss ein Strommonteur alles beachten?
Sicherheit ist bei uns zentral. Alle Strommonteure werden regelmäßig geschult und ärztlich untersucht, alle zwei Jahre wird die Höhentauglichkeit überprüft. Schalthandlungen dürfen nur Kollegen mit spezieller Schaltberechtigung durchführen. Für Arbeiten unter Spannung – im Niederspannungsnetz sowie an Freileitungen – sind zusätzliche Ausbildungen vorgeschrieben. Jeder Monteur hat eine persönliche und spezielle Schutzausrüstung: Schutzanzüge gegen Lichtbögen, Sicherheitsschuhe sowie Helme mit Visier, die das Gesicht im Fehlerfall schützen, Steiger, Gurte. Die gesamte Ausrüstung wird regelmäßig, mindestens einmal jährlich, geprüft.
Auch Naturschutz gehört zur Arbeit. Wie passt das zusammen?
Ja, wir sind auch für den Naturschutz zuständig. Unsere Freileitungen greifen in die Natur ein, die Tierwelt sucht sich hier Brutstätten. Deshalb arbeiten wir eng mit dem NABU zusammen. Strommonteure helfen beim Aufbau von Nisthilfen für Störche oder Greifvögel und beobachten Brutplätze an Masten. Wir helfen bei der Beringung und Zählung der Störche. Ziel ist es, Stromversorgung und Artenschutz miteinander zu vereinbaren.
Wie erleben Monteure den Wandel in der Energieversorgung?
Als Chance und Weiterentwicklung. Erneuerbare Energien werden positiv gesehen und neue Technik, wie intelligente Messeinrichtungen, sorgt für interessante Aufgaben. Der steigende Strombedarf durch Wärmepumpen und E-Mobilität macht den Beruf vielseitiger und technisch anspruchsvoller. Durch Netzausbau und neue Anlagen bleibt die Arbeit abwechslungsreich und die Monteure können sich ständig weiterbilden und neue Fähigkeiten erwerben.
Vielen Dank für das Gespräch!
Der Weg zum Beruf
Um Strommonteur bei den Stadtwerken zu werden, ist in der Regel eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung erforderlich, kombiniert mit handwerklichem Geschick und technischem Verständnis. Da die meisten Stadtwerke in kommunaler Hand sind, gelten sie als zuverlässiger und sicherer Arbeitgeber.
- Klassische Ausbildung (3,5 Jahre): Elektroniker für Betriebstechnik im Bereich Strom.
- Voraussetzung: mittlerer Schulabschluss mit guten Noten in den Fächern Mathematik und Physik. Auch Interesse für Technik sowie feinmotorisches handwerkliches Geschick sollten vorhanden sein.
Unter anderem bildet der Energieversorger SÜLL 2026 Elektroniker für Betriebstechnik im Bereich Strom aus.