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Die Rohrweber von Pritzerbe

STADTWERKE ZEITUNG


Rohrweberin Jenny Wagner verknotet jeden Stab per Hand.

Fotos: SPREE-PR/Petsch

Die Letzten ihrer Zunft

Die Rohrweber von Pritzerbe

Faszination traditionelles Handwerk! Vor der industriellen Revolution bestimmten die Zünfte das Wirtschaftsleben – heute sind viele Handwerksberufe so gut wie ausgestorben. Die STADTWERKE ZEITUNG hat „Die Letzten ihrer Zunft” besucht. Diesmal: die Rohrweberei Pritzerbe (Potsdam-Mittelmark). Das Weben von Schilfrohren zu Rohrmatten ist eine jahrhundertealte Handwerkstradition in Brandenburg. Im Ortsteil Pritzerbe der Stadt Havelsee wird sie noch gepflegt – in Handarbeit.

Wir sind die letzte Rohrweberei in Deutschland. Wenn wir schließen, stirbt auch dieses traditionelle Handwerk aus“, sagt Wolfgang Wagner. Seit fast 30 Jahren leitet der 64-Jährige nun die Manufaktur, die Schilfmatten herstellt und heute auch Museum und Bildungsstätte zugleich ist. Über eine Projektleitung ABM war der einstige Vollmatrose der DDR-Fischfangflotte 1998 gekommen und ist hier gewissermaßen „gestrandet“. Sein Ziel: Das Wissen für künftige Generationen bewahren.

Wer die Rohrweberei erreicht, weiß warum sie sich hier 1946 im früheren Schützenhaus angesiedelt hat. Sie liegt in der wasserreichen Gegend idyllisch eingebettet von Feldern am Pritzerber See, mit dem Rohstoff direkt vor der Tür. Damals waren Schilf-Dämmmatten als wichtiger Bau- und Isolierstoff oder als Abdeckmatten für Gärtnereien gefragt. Heute entstehen Sichtschutzelemente, Balkonverkleidungen, Rollos und sogar Sonnenschirme. Architekten bestellen Putzträgermatten für die Denkmalpflege, denn Originalmaterial ist rar.

Nach der Ernte Ende Februar wird das gebündelte Schilf (Schocks) zur Trocknung zu Zelten aufgestellt.
Foto: SPREE-PR/Petsch

Biennale-Auftrag

Ende April herrscht hier emsiges Treiben. Ein Großauftrag ist eingetrudelt. 60 Quadratmeter Rohrmatten werden für eine Ausstellung der 13. Berlin Biennale (14. Juni bis 14. September) gewebt. Das vierköpfige Team hat alle Hände voll zu tun. Mitarbeiter Stefan Brauer sortiert die Halme nach Länge und Durchmesser. Aus Naturschutzgründen wird nicht mehr Schilf aus dem See verwendet – es dient als Brutstätte vieler Vogelarten. „Wir nutzen jetzt Miscanthus, eine bambusähnliche Pflanze“, erklärt Chef Wolfgang Wagner. „Wir bauen sie selber auf knapp 3.000 Quadratmeter an. Miscanthus ist robust, braucht keinen Dünger und kann 25 Jahre lang geerntet werden.“ Die vollkernigen Halme sind besonders langlebig: Unsere Matten halten im Freien bis zu zehn Jahre – Baumarktware zerfällt oft schon nach zwei.“

Stefan Bauer und Jenny Wagner zeigen ein fertiges Produkt: Diese Rohrmatte wurde für die 13. Berlin Biennale gewebt.
Foto: SPREE-PR/Petsch

Präzision und Handarbeit

Rohrweberin Jenny Wagner legt einen Halm in die Vorrichtung eines über 100 Jahre alten Webstuhls. Dieser wurde schon zur Gründung gebraucht angeschafft. Sie schnappt sich einen der fünf versetzten Fäden, zieht unter Spannung eine Schlinge und verknotet alles doppelt. „Ich fange in der Mitte an, damit sich nichts verzieht“, erklärt sie. Sitzen die Knoten, werden die Enden auf gleiche Länge geschnitten. Danach folgt der nächste Halm.
„Durch den Doppelknoten trennt sich – anders als bei Baumarktware – der Faden und somit die Matte nicht auf“, erklärt die Rohrweberin. „Und der Kunde kann seine Matte auch beliebig zuschneiden.“ Für die Berlin Biennale werden Matten von bis zu 4,20 Meter Länge gefertigt. Dafür benötigt Jenny Wagner etwa sechs Stunden.

Material ist genug da. „Eine Ernte reicht immer für ein Produktionsjahr“, sagt Leiter Wolfgang Wagner. Die diesjährige Ernte – immer von Anfang Januar bis Ende Februar – steht gerade zum Trocknen zu Zelten aufgebaut auf dem Gelände der Rohrweberei. Sie bestehen aus vielen „Schocks“, also 60 Zentimeter dicken Bündeln. „Würde man das Material grün verarbeiten, würde es in den Matten nachtrocknen und aus der Schlingung später rausrutschen.“

Glücksfall Nachlass

In Zukunft wird auch ein Teil der Arbeit maschinell unterstützt werden. Grund ist ein unerwarteter Glücksfall. Die Witwe eines Rohrwebers aus Hennigsdorf hatte kürzlich Wolfgang Wagner zwei mechanische Webstühle aus dem Nachlass überlassen: „Bevor die auf dem Schrott landen – das war ihr Wunsch“, so Wolfgang Wagner.

Besucher sind in der Rohrweberei Pritzerbe jederzeit willkommen. Seit 2015 ist der Standort auch Museum und Lernort für Schulklassen.

Der Schilferlebnissteg führt 43 Meter durch den Schilfgürtel und gibt besondere Einblicke in das Leben der Schilfbewohner.
Foto: SPREE-PR/Petsch

Besuchen Sie die Rohrweberei Pritzerbe

An der Marzahner Chaussee 6
14798 Havelsee

Geöffnet: Mo – Mi  9 – 15 Uhr,
Do/Fr 9 – 18 Uhr, Sa 14 – 18 Uhr,
So 14 – 17 Uhr, Gruppenführungen am Wochenende nach Vereinbarung
Eintritt: 3 €, ermäßigt 1,50 €,
Kinder unter sechs Jahren frei.
Tel. 033834 50236

www.rohrweberei.de

Kinder können im Museum an Handwebrahmen selber kleine Matten fertigen.
Foto: SPREE-PR/Petsch

Museum und Erlebnissteg

Die Stadt Havelsee unterstützt die Rohrweberei. Das Museum bietet Gruppenführungen (nach Voranmeldung) durch Werkstatt und Trockenscheune. Kinder können hier selbst eine kleine Matte am Handrahmen anfertigen oder Nistkästen bauen und lernen die Tiere im Schilf kennen. Mit etwas Glück können sie die vom angrenzenden 43 Meter langen Erlebnissteg durch das Schilf dann selbst beobachten. Links ist der Biberbau, rechts brüten die Gänse und gleichzeitig erklingt im Sommer gratis das Froschkonzert. Infotafeln erklären die Artenvielfalt, beim Naturquiz kann jeder sein Wissen testen.

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Ab- und Anmeldungen zu Stromverträgen ab 6. Juni nur noch im Voraus

STADTWERKE ZEITUNG


Melden Sie Ein- und Auszüge nach Möglichkeit 14 Tage im Voraus.

Grafik: SPREE-PR

Neue Fristen bei Umzügen

Ab- und Anmeldungen zu Stromverträgen ab 6. Juni nur noch im Voraus

Ab dem 6. Juni 2025 tritt eine neue gesetzliche Regelung in Kraft: Rückwirkende An- oder Abmeldungen von Stromverträgen sind dann nicht mehr zulässig. Wer umzieht oder den Anbieter wechseln möchte, muss die Anmeldung künftig vorab veranlassen – spontane oder nachträgliche Meldungen gehören der Vergangenheit an.
Was bedeutet das konkret?

Bislang war es möglich, Stromverträge bis zu sechs Wochen rückwirkend zu ändern. Ab Juni 2025 ist dies nur noch für zukünftige Termine erlaubt. Die Vertragsbedingungen wie Laufzeit oder Kündigungsfristen bleiben unverändert, und auch wenn Wechsel künftig schneller bearbeitet werden können (innerhalb von 24 Stunden), ist ein vorzeitiger Wechsel weiterhin ausgeschlossen.

Wichtig für unsere Kundinnen und Kunden: Melden Sie Umzüge oder Vertragswechsel frühzeitig, um zusätzliche Kosten zu vermeiden. Wer sich verspätet anmeldet, landet automatisch in der Grundversorgung. Melden Sie sich bitte umgehend bei uns zur Strombelieferung an, lassen Sie sich gern beraten und wählen Sie Ihren optimalen Tarif aus. Auch bei einem verspäteten Auszug besteht weiterhin Zahlungspflicht, bis der Vertrag formal endet. Teilen Sie uns Umzüge und Kündigungen daher bitte immer so früh wie möglich mit – mindestens 14 Tage im Voraus.

Wir empfehlen: Frühzeitig melden, rechtzeitig planen – für eine sichere und faire Stromversorgung.

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Eine Frau rückt an die Spitze

STADTWERKE ZEITUNG


Melanie Meister (41) wurde Ende Mai zur ersten Geschäftsführerin des kommunalen Energieversorgers ernannt. Mit Weitblick, jeder Menge Erfahrung und einem gut aufgestellten Team will sie ab 1. August die nächsten Kapitel der Erfolgsgeschichte der Stadtwerke Premnitz gestalten.
Foto: SPREE-PR/Petsch

Interview mit der neuen Geschäftsführerin der Stadtwerke Premnitz

Eine Frau rückt an die Spitze

Zum 1. August übernimmt Melanie Meister die Geschäftsführung der Stadtwerke Premnitz als erste Frau an der Spitze des Unternehmens. Im Gespräch erzählt die 41-Jährige, die als Auszubildende hier startete, was sie antreibt, wie sie führen möchte.

Frau Meister, Sie haben sich mehr als 30 Mitbewerber durchgesetzt. Was hat aus Ihrer Sicht den Ausschlag gegeben?

Ich denke, es war die Kombination aus Erfahrung und echter Leidenschaft. Ich bin seit 21 Jahren in diesem Unternehmen tätig und habe insbesondere während der Gaskrise eine Vielzahl zentraler Aufgaben übernommen und maßgeblich zur Bewältigung der Herausforderungen beigetragen. Ich konnte im Bewerbungsverfahren zeigen, dass ich das Unternehmen nicht nur fachlich verstehe, sondern es auch mitgestalten will – als Führungskraft und Teil eines starken Teams. Das ich als Frau nun vorne stehe, war vielleicht auch ein Zeichen für Mut zur Veränderung.

Ihr Weg von der Auszubildenen zur Geschäftsführerin, wie hat er Sie geprägt?

Er hat mich gelehrt, mit der Verantwortung zu wachsen. Ich habe früh eigenständig wichtige Aufgaben übernommen, oft im Hintergrund unterstützt, dem Chef den Rücken freigehalten. Die Entscheidung, mich zu bewerben, fiel mir dennoch nicht leicht – aber ich habe gemerkt: Ich möchte die Wärmewende aktiv mitgestalten.

Die Energie- und Wärmewende beinhalten enorme Herausforderungen. Wie wollen Sie das Unternehmen strategisch aufstellen?

Unser Ziel ist klar: Versorgungssicherheit und bezahlbare Wärme für die Bürger. Wir stehen am Anfang des Fernwärme-Ausbaus, etwa mit Projekten wie am Dachsberg oder im Alten Zentrum. Fördermittel sind beantragt, die Planung läuft. Dabei denken wir weiter: Geothermie, Großwärmepumpen, Kooperationen. Wichtig ist, dass wir uns technologisch breiter aufstellen und flexibel bleiben. Bei allem müssen wir transparent agieren, nicht über den Kopf der Menschen hinweg entscheiden. Fragen wie „Was passiert mit meiner Gasheizung?“ oder „Kann ich mich an die Fernwärme anschließen?“ sind absolut berechtigt – und wir wollen Antworten geben. Über unsere Stadtwerke Zeitung, in Gesprächen vor Ort. Auch unsere Facebook-Seite möchte ich künftig aktiver nutzen, um schneller zu informieren.

Was möchten Sie vom bisherigen Geschäftsführer übernehmen, was anders machen?

Herr Hohmann war und ist für mich ein wichtiger Mentor. Er hat mich immer gefördert, mir viel zugetraut und Spielraum gelassen. Sein Führungsstil – klar, strukturiert, gleichzeitig motivierend – hat viel dazu beigetragen, wie das Unternehmen heute dasteht. Daran möchte ich anknüpfen, Bewährtes bewahren – und da, wo es nötig ist, neue Wege gehen.

Was bedeutet Ihnen diese Aufgabe – auch ganz persönlich?

Sehr viel. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen, kenne die Menschen, ihre Fragen, ihre Erwartungen. Für mich ist die Geschäftsführung ein Herzensprojekt. Ich bin überzeugt: Gerade eine Region wie unserer braucht nicht nur Versorgungssicherheit, sondern Nähe, Vertrauen und langfristige Verantwortung.

Und was raten Sie anderen Frauen, die Karriere und Familie unter einen Hut bringen wollen?

Beides geht – mit einem guten Umfeld, klaren Zielen und einem funktionierenden Zeitmanagement. Natürlich war das nicht immer leicht. Aber ich habe erlebt: Man wächst mit den Aufgaben. Wichtig ist, sich nicht kleinreden zu lassen – und an sich selbst zu glauben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Werdegang

Geboren: 1984 in Rathenow

Wohnhaft: Mögelin

Familie: verheiratet, 1 Tochter

Ausbildung: 2004 – 2006 Bürokauffrau

Studium: 2006 – 2009 berufsbegl. 

Dual-Studium BWL

Position: seit 2012 Kaufmännische Leiterin,

seit Juni 2023 Prokuristin

Hobbys: Laufen, Reisen

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Wie viel Energie steckt in der neuen Bundesregierung?

STADTWERKE ZEITUNG


Im Koalitionsvertrag bekennen sich Union und SPD zu den deutschen und europäischen Klimazielen und der Klimaneutralität Deutschlands bis 2045.

Illustration: SPREE-PR

Koalitionsvertrag

Wie viel Energie steckt in der neuen Bundesregierung?

Seit 6. Mai 2025 ist die neue Bundesregierung im Amt und hat ihre Arbeit aufgenommen. Ein Blick in den Koalitionsvertrag verrät, was sie nun in punkto Energie- und Wärmeversorgung anpacken will.

Heizungsgesetz: Soll „abgeschafft“ bzw. reformiert werden und als neues Gebäudeenergiegesetz „technologieoffener, flexibler und einfacher“ werden, eine Verlängerung von Umsetzungsfristen kommt.

Energiepreise: Entlastung von Unternehmen und Verbrauchern um mindestens fünf Cent pro Kilowattstunde (kWh). Strompreise sollen „dauerhaft niedrig und international wettbewerbsfähig“ sein, die Gasspeicherumlage für alle soll abgeschafft werden. Sie liegt zurzeit bei rund 0,3 Cent pro kWh Gas.

Fernwärme: Der Ausbau soll forciert, entsprechend gefördert und „technisch unvermeidbare Abwärme“ – die schon jetzt zum Heizen zahlreicher Gebäude verwendet wird – diskriminierungsfrei genutzt und deren Einspeisung ins Fernwärmenetz erleichtert werden.

Klima- und Transformationsfond: Finanziert wichtige Wärmewendeprogramme, soll saniert werden, unter anderem um die Effizienz bei der Mittelvergabe zu steigern.

Kommunale Unternehmen: Bekamen im Koalitionsvertrag als „Rückgrat“ der öffentlichen Daseinsvorsorge ein eigenes Kapitel. Verbesserte Rahmenbedingungen sollen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und sie bei Innovationen unterstützen.

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Was genau macht Erdgas billiger oder teuer?

STADTWERKE ZEITUNG


Aufgeschlüsselt: Die Grafik zeigt, wie sich der Gaspreis für private Haushalte zusammensetzt. Beschaffung und Ver- trieb machen nur einen Teil aus – rund ein Drittel des Preises entfällt auf Steuern und Abgaben. Allein die Mehrwerteuer (19 %) macht 16 % vom Gaspreis aus.
Grafik: SPREE-PR/Schulze, pixabay, SPREE-PR/Archiv

Die Zusammensetzung des Preises

Was genau macht Erdgas billiger oder teuer?

Die Gasheizung ist in Deutschland aktuell noch die Nummer eins: Fast jede zweite Wohnung wird mit Erdgas beheizt, und in den Jahren 2023 und 2024 gab es sogar einen regelrechten Run auf neue Gasheizungen. Das war zum Teil auch eine Folge des Heizungsgesetzes (GEG) der vorherigen Ampelkoalition, das für viel Unruhe und Verunsicherung sorgte. Die neue Bundesregierung aus Union und SPD will das GEG in der jetzigen Form reformieren.

Trotzdem werden wohl Gas- und auch Ölheizung langfristig keine Lösung und bald nicht mehr so gebräuchlich sein. Das liegt an mehreren Dingen. Bis 2045 soll Deutschland CO₂-neutral sein – das ist nun auch im Grundgesetz verankert. Die neue schwarz-rote Koalition hat sich dem Klimaschutz verpflichtet. Neben „technologieoffener“ Förderung umweltfreundlicher Heizungen soll zentraler Hebel dabei der CO₂-Preis sein. Nur eine von mehreren Komponenten, aus denen der Gaspreis für Endverbraucher besteht. So setzt sich genau der Gaspreis zusammen:

Beschaffung und Vertrieb

Ein großer Teil des Preises entfällt auf den Einkauf des Gases selbst. Dieser hängt von globalen Märkten ab – etwa von Angebot und Nachfrage, politischen Entwicklungen oder Lieferverträgen. Da Deutschland seit dem Wegfall russischer Lieferungen mehr Flüssiggas (LNG) importiert, ist der Preis sprunghafter geworden.

Netzentgelte

Diese Gebühren decken die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der Gasnetze. Die Fixkosten für das Netz bleiben ähnlich hoch, selbst wenn immer mehr Haushalte auf Wärmepumpen umsteigen. Aber: Wenn weniger Menschen Gas beziehen, könnte der Anteil der Netzentgelte pro Haushalt steigen.

Abgaben und Steuern

CO₂-Preis: Seit 2021 wird der Ausstoß von CO₂ bepreist. Die Abgabe stieg zuletzt von 45 Euro pro Tonne (2024) auf 55 Euro pro Tonne (2025) und wird weiter schrittweise erhöht (2026 bis 65 Euro/t). Der nationale CO₂-Preis läuft bis Ende 2026, wird dann in das neue EU-System überführt. Dieses sieht vor, dass der CO₂-Preis nicht mehr politisch festgelegt wird, sondern sich anhand von Angebot und Nachfrage frei am Markt bildet (EU-Emissionshandel ETS II) – je mehr CO₂ ausgestoßen wird, desto teurer wird die Abgabe. Damit soll ein Anreiz zum Wechsel auf fossilfreie Möglichkeiten entstehen. Stattdessen sollen laut Koa-litionsvertrag von Union und SPD Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung zur Senkung der Strompreise verwendet werden. Experten erwarten bis 2030 CO₂-Preise von bis zu 275 Euro pro Tonne. Vorausgesetzt, der CO₂-Preis steigt bis 2030 wirklich so hoch, könnten für ein erdgasbeheiztes Einfamilienhaus grob geschätzt jedes Jahr 1.200 Euro allein dafür fällig werden.

KANU 2.0: Mit der Umlage regelt die Bundesnetzagentur, wie Gasnetzbetreiber ihre Investitionen bis zur Stilllegung oder Umrüstung auf Wasserstoff abschreiben dürfen. Ziel ist ein gerechter Umbau des Gasnetzes. Kurzfristig kann das die Gaspreise leicht steigen lassen, langfristig sorgt es für mehr Planungssicherheit.

Mehrwertsteuer: Sie macht mit 19 % einen erheblichen Teil des Gaspreises aus.

Fazit

Wie genau sich künftig Gaspreise entwickeln, hängt von vielen Komponenten ab. Auch Netzbetreiber wie kommunale Stadtwerke, die Gas einkaufen und verteilen, haben nur begrenzten Einfluss auf den Weltmarktpreis. Theoretisch kann auch ein sinkender Gasverbrauch zu niedrigen Großhandelspreisen führen. Fest steht aber: Für viele Haushalte ist die Gasheizung noch immer die praktikabelste Lösung. Gas bleibt daher relevant, wird langfristig aber eher teurer. Wer auf lange Sicht plant, muss mit steigenden CO₂-Kosten und höheren Netzgebühren durch den Rückgang der Nutzer rechnen.
Die Bedeutung von Gas wird abnehmen. Der nächste Heizungswechsel muss wohlüberlegt sein.

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Das ist (ja wohl) die Höhe!

STADTWERKE ZEITUNG


Rätsel

Das ist (ja wohl) die Höhe!

Die durchschnittliche Höhe im Land Brandenburg beträgt 68 Meter. Die Märker überragen damit die Hauptstädter immerhin um ganze 21 Meter. Zu einem „Bergvolk“ macht sie das natürlich noch lange nicht.

Dennoch kann Brandenburg höchst interessante Rekorde vorweisen. Wir bringen Sie auf die Höhe kleiner Bestmarken im Land Brandenburg! Beantworten Sie unsere Frage und gewinnen Sie attraktive Geldpreise à

1 x 20 Euro,
1 x 30 Euro
und 1 x 50 Euro.

Was für Kerle! Vor 350 Jahren stellte Kurfürst Friedrich Wilhelm angesichts des Einfalls der Schweden in die Mark Brandenburg das Altpreußische Infanterieregiment No. 6 auf. Die Grenadiere des Königsregiments mussten mindestens 6 rheinische Fuß (ca. 1,88 m) messen. Eine damals eher ungewöhnliche Durchschnittsgröße. Und so waren Spezialbeauftragte des Preußenkönigs europaweit unterwegs, um großgewachsene Männer durch hohe Handgeldzahlungen zum Dienst in Preußen zu bewegen. Diese Art der Rekrutenwerbung und auch der Unterhalt der hoch besoldeten Eliteeinheit verschlangen horrende Geldsummen. Aufgrund der hohen Unterhaltskosten löste König Friedrich II. im Zuge seiner Thronbesteigung dann auch das alte Garderegiment auf und behielt nur noch ein Bataillon – 1806 wurde auch diese Truppe aufgelöst. Die volkstümliche Bezeichnung für die Soldaten ist aber bis heute in aller Munde: „Lange Kerls“.

Grenadier vom „Roten“ (1.) Bataillon des Königsregiments Friedrich Wilhelm I. auf dem Gemälde von Johann Christof Merck.
Quelle: Johann Christof Merck (1718)/Wikimedia-Commons

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    bis zum 7. April 2025 an:
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    Viel Glück!

    Die Gewinner des Kreuzworträtsels zum Jahresende:

    Rund 400 Zuschriften mit dem richtigen Lösungswort „Kerzenflackern“ haben uns erreicht. Gewonnen haben je 100 Euro: S. Schulz aus Lübbenau, E. Gattermann aus Guben, W. Specht aus Zehdenick, M. Kulke aus Forst, W. Brückner aus Premnitz, J. Fleischmann aus Schwedt/Oder und E. Mattick aus Perleberg.

    Herzlichen Glückwunsch!

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    Hier blüht uns was

    STADTWERKE ZEITUNG


    Ein Radweg in frühlingshafter Kulisse: Viele Obst-Alleen in Brandenburg tragen im April ihr Blütenkleid.

    Foto: TMB-Tourismus-Marketing-Brandenburg-GmbH/Steffen-Lehmann

    Natur erwacht aus Winterschlaf

    Hier blüht uns was

    Winter ade! Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und länger werdenden Tage lassen die Natur so langsam aus dem Winterschlaf erwachen. Die ersten Pflanzen melden sich in Wäldern, Parks und Gärten zurück und kündigen mit ihrer bunten Blütenpracht den Frühling an. Wir haben uns auf die Suche nach Orten im Land Brandenburg begeben, wo die Natur nun besonders überschwänglich die Vorboten des Frühlings zur Schau stellt.

    Februar/März

    Der Schneeglöckchenpark

    Bis Mitte März blühen im Park Uebigau (Elbe-Elster) abertausende Schneeglöckchen im Schneeglöckchenpark. Irgendwann in den 90er-Jahren wurde hier begonnen, Schneeglöckchen zu pflanzen. Mittlerweile gibt es hier Tausende aus ganz Europa zu bewundern. Zum Winterende lassen sich regelrechte weiße Wiesen bestaunen. Falls auch Schneeglöckchen aus Ihrer Heimat in Uebigau wachsen sollen, so bringen Sie doch einfach ein paar mit und geben sie in der benachbarten Gärtnerei ab.

    Schneeglöckchen im Schlosspark Uebigau.

    Foto: Klaus-Peter Manig/Parkaktiv Uebigau.

    Anfang April – Mitte Mai

    Adonisblüte an Oderhängen

    Ab Ende März bis Mitte Mai legt Mutter Natur wieder am östlichsten Zipfel Brandenburgs einen sonnengelben Blütenteppich aus. In Deutschland wachsen die Frühlings-Adonisröschen heute nur noch in einigen isolierten Gebieten wie an den Oderhängen. An drei Hotspots kann man gut das Naturschauspiel erleben:

    ● Naturschutzgebiet „Oderberge“ Lebus: Wer sich die Adonisröschen ansehen möchte, fährt auf der B 112 bis
    zur Abfahrt Unterkrug südlich von Lebus und dort bis zum ausgeschilderten Parkplatz. Von hier führt der Adonisröschen-Themenpfad zu den Oderbergen. Der Rundweg, dauert etwa 1,5 Stunden.

    ● Oderhänge Mallnow: Die gesamten Hänge sind dann mit einem goldgelben Blütenteppich bedeckt. Der Adonisröschenwanderweg über die Oderhänge beginnt am Parkplatz in Mallnow und unterteilt sich in einen kleinen und einen großen Rundweg, die beide als Naturlehrpfade angelegt sind.

    ● „Priesterschlucht” bei Podelzig (zwischen Manschnow und Lebus an der B 112): Der Rundweg im Naturschutzgebiet umfasst 800 Meter. Guter Ausgangsort ist der alte Bahnhof Podelzig.

    Das seltene Adonisröschen ist an den Oderhängen zu finden.
    Foto: TMB-Tourismus-Marketing-Brandenburg-GmbH/Steffen-Lehmann

    Mitte April

    Kirschblüte in Teltow

    Hier brauchen Sie keine rosarote Brille: Wandeln inmitten von 1.000 blühenden Kirschblütenbäumen. Die TV-Asahi-Kirschblütenallee blüht jährlich etwa ab Mitte April. Voraussichtlich 3 Wochen lang kann man auf dem etwa 1,5 Kilometern die vielen Japanischen Kirschbäume vom Aufblühen über die volle Blüte bis hin zum Herabrieseln der rosa Blütenblätter erleben.

    Die wohl schönste Kirschblüte in Brandenburg liegt in Teltow (Potsdam-Mittelmark). Wobei, genau genommen teilen sich die Berliner und Brandenburger diesen Hotspot der Kirschblüte im Frühjahr– schließlich liegt er auf dem ehemaligen Grenzstreifen, der einst Deutschland teilte. Die Bäume wurden zur Wiedervereinigung durch eine Spende der Zuschauer des japanischen Fernsehsenders TV-Asahi gepflanzt.

    Kirschblütenallee in Teltow
    Foto: TMB-Tourismus-Marketing-Brandenburg-GmbH/Steffen-Lehmann

    Termine & geführte Touren

    • 19. März 2025, 15 Uhr

      Führung zu den ersten Frühblühern im Paradiesgarten (Botanischer Garten, Maulbeerallee 2, 14469 Potsdam). Dr. Michael Burkart zeigt Besuchern, wie sich mit Zwiebelpflanzen auch in kleinen Gärten erstaunliche Effekte erzielen lassen.

      Eintritt 6 €, ermäßigt 3 €.

    • 22. März 2025, 10 – 13 Uhr

      RangerTour: im Gartzer Schrey im Nationalpark Unteres Odertal (Uckermark) lassen sich Blütenpracht von Anemonen, Lederblümchen und anderen Frühjahrsblühern erleben. Dauer 3 Std. (6 km Wanderung), Anmeldung bis Do. 20.03., (5–20 Teilnehmende).

      unteresodertal@naturwacht.de

      Tel.: 03332 267711.

      Treffpunkt: Parkplatz „Kanonenschuppen Gartz/ Oder“, Alter Sportpl. 6, 16307 Gartz (Oder).

    • 13. April 2025 ab 10:30 Uhr

      Tulpenfest in Luckau.
      Foto: Laga Luckau 2000 gGmbH

      Tulpenfest in Luckau (Dahme-Spreewald) – Frühlingserwachen in Nordeuropa im LAGA-Park (Südpromenade, 15926 Luckau).

      Eintritt 10 €, Schüler 6 – 14 Jahre 5 €, Kinder bis 5 Jahre frei.

    • 27. April 2025 ab 10 Uhr

      Frühlingfest zur Adonisblüte in Lebus (Märkisch-Oderland). Mit Adoniswanderung 11 – 14 Uhr.

      Treffpunkt: Lebus Gewerbe-gebiet Kirschallee.

    • 26. April – 4. Mai 2025

      146. Baumblütenfest in Werder

      (Havel): am 26. April Traditionsfest in den geöffneten Obsthöfen und Gärten der Kernstadt und der Plantagen, begleitet durch die beliebten Blütenrundfahrten. Am Mittwoch, 30. April, startet der Rummel auf dem Hartplatz. Ab 1. Mai Volksfest mit Bühnen und Attraktionen.

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    Ein königliches Handwerk

    STADTWERKE ZEITUNG


    Maren und Christian Jende inmitten ihrer alten Webmaschinen.

    Foto: Tudyka PR

    Die Letzten ihrer Zunft

    Ein königliches Handwerk

    Faszination traditionelles Handwerk! Vor der industriellen Revolution bestimmten die Zünfte das Wirtschaftsleben – heute sind viele Handwerksberufe so gut wie ausgestorben. Die Stadtwerke Zeitung startet eine vierteilige Serie über “Die Letzten ihrer Zunft”. Lesen Sie: die Posamenten-Manufaktur in Forst (Lausitz).

    Die Pracht vieler Schlösser und Theatersäle liegt im Detail: Aufwändig gefertigte Quasten halten den edlen Samtvorhang, zarte Borten zieren feingeschnitzte Stühle, handgemachte Taue tragen glitzernde Lüster, seidige Fransen schmücken Fenster. Es gibt nur noch drei Manufakturen in Deutschland, die solche textilen Schmuckstücke anfertigen. Eine davon arbeitet in Forst.

    Klick, klack, klickediklack. Ein Webschiffchen saust hin und her, verschlingt und verdreht feine Fäden voreinander, hintereinander, rechts und links. Reihe für Reihe tasten Stahlstifte das Muster von einer vergilbten Lochkarte ab. Ein ausgeklügelter Mechanismus, der aus Gold- und Silberfäden glänzende Bordüren oder Fransen entstehen lässt. Der Jacquardwebstuhl hat ein museales Alter. Beinahe wären er und viele andere Zeitzeugen der Textilgeschichte auf dem Schrottplatz gelandet. Doch sie hatten Glück!

    Dünne und dicke Seile aus feinen Garnen entstehen hier.
    Foto: SPREE-PR/Krone

    Firma gerettet

    Im Frühjahr 2013 fährt Raumausstatter Christian Jende in die Manufaktur, die ursprünglich der Berliner Familie Wagler gehörte und 2006 von engagierten Forstern übernommen wurde, um seine speziell angefertigten Raffhalter abzuholen. „Wir sind insolvent“, erzählte ihm eine der damaligen Mitarbeiterinnen. Die Nachricht stellt das Leben der Jendes auf den Kopf. In Christians Geburtsstadt, die wegen seiner vielen Tuchfabriken einst das Manchester des Ostens genannt wurde, stehen die alten Textilmaschinen. „Ich war schon als Kind von diesem Handwerk fasziniert. Deshalb bin ich Raumausstatter geworden. Es in meiner Heimatstadt zu erhalten, das reizte mich.“ Maren Jende lässt sich von der Begeisterung ihres Mannes anstecken. Das Ehepaar übernimmt das Unternehmen, zieht später sogar von Potsdam nach Forst und produziert seitdem kunstvolle Posamenten wie Borten, Schnüre und Quasten. Eine der vier Mitarbeiterinnen, Maria Kathen, führt durch das lebende Museum. „Kommt mit“, lädt sie ein.

    Forster Reeperbahn

    Quer durch einen Raum ist ein weiß-grauer Faden gespannt, der an einem Ende von einem Motor gedreht wird. Langsam wickelt sich goldgelbes Viskosegarn um das dünne Seil. „Willkommen auf unserer Reeperbahn“, schmunzelt Maria Kathen. „Hier werden Biesen zu unterschiedlichsten Kordeln verdreht, aber auch dicke Seile für Absperrungen oder als Handlaufseil. Reep ist eine alte, niedersächsische Bezeichnung für Schiffstaue. Für deren Herstellung wird eine gerade Bahn benötigt, die Reeperbahn. Unsere ist nur 15 Meter lang, die in Hamburg dagegen war fast 400 Meter.“ Mit diesem Handrad werden aber zum Beispiel auch die Schnüre für die kunstvollen Quasten hergestellt, die dann im Handarbeitsbereich auf Holzrohlinge gewickelt und mit Zierfäden und Fransen verschönert werden.

    Maria Kathen wickelt ein Seil in der Reeperbahn.
    Foto: SPREE-PR/Krone

    Quasten in allen Farben und Mustern werden in Forst produziert.
    Foto: SPREE-PR/Krone

    Quasten für Kristallleuchter

    „Im ,Kleinen Ballsaal‘ des Dresdener Residenzschlosses hängen die prunkvollen Kristallleuchter an Quasten aus unserer Manufaktur“, erzählt Unternehmerin Maren Jende stolz. „Auch für das Schloss Branitz haben wir die Posamenten nach historischen Vorlagen hergestellt.“ Natürlich gibt es längst Hersteller in Fernost, die zumindest einen Teil des textilen Schmucks mit vollautomatischen Maschinen viel billiger für den Massenbedarf herstellen. „Aber originalgetreue Nachbildungen von historischen Einzelstücken, ungewöhnliche Borten, die farblich genau zu den Stoffen passen, solche oder andere Sonderwünsche können nur in Handarbeit hergestellt werden. Manchmal haben wir als Vorlage nur ein vergilbtes Foto, müssen uns dann mit den Trends vergangener Stilepochen beschäftigen. Gerade das macht den Reiz unserer Arbeit aus.“

    Besuchen Sie die Posamenten-Manufaktur Jende

    Führungen sind nach Voranmeldung möglich.

    Tel.: 03562-694742

    E-Mail: info@jende-manufaktur.de

    jende-manufaktur.de

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    Heizen mit Daten? Untersuchung läuft!

    STADTWERKE ZEITUNG


    Eine Computergrafik skizziert den geplanten Rechenzentrum-Campus, der an der Kraftwerkstraße in Lübbenau/Spreewald entstehen soll. Links ist gut der aktuelle SÜLL-Standort in Lübbenau in T-Form mit Heizkraftwerk und Verwaltungsgebäude für die technischen Mitarbeiter auszumachen.

    Grafik: eigene Darstellung

    Fernwärmeplanungen für Lübbenau und Luckau

    Heizen mit Daten? Untersuchung läuft!

    Gleich hinter dem Lübbenauer Heizkraftwerk der Stadt- und Überlandwerke GmbH Luckau-Lübbenau soll bis Ende 2027 eines der größten Rechenzentren deutschlandweit entstehen. Die durch den Datenverkehr und -speicherung entstehende Abwärme birgt eine große Chance!

    Sie könnte ins Fernwärmenetz fließen und ein entscheidender Baustein für das bestehende Lübbenauer Fernwärmenetz auf dem Weg zur „grünen“ Fernwärme sein. Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral heizen. Das bedeutet auch für das Versorgungsgebiet der SÜLL eine Abkehr von fossilen Energiequellen, wie Erdgas und Öl.

    Wie die Wärmewende in Lübbenau und Luckau genau gelingen kann und die Kommunale Wärmeplanung voranschreitet, darüber informiert die SÜLL regelmäßig. Fest steht: Das geht nur gemeinsam, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft offen in der Diskussion mitgenommen werden.

    Weg gut ausgeschildert

    In Lübbenau ist der Weg schon gut ausgeschildert. Hier wird das bestehende Fernwärmenetz im Rahmen einer Transformationsplanung für die Zukunft fit gemacht und bewertet. „Die SÜLL ist dabei in engem Austausch mit der Stadt Lübbenau/Spreewald und den größten Wärmeabnehmern“, sagt Geschäftsführer Steffen Müller.

    Im Dezember hatte ein Investor den Bau eines Rechenzentrum-Campus in Lübbenau bekanntgegeben. Auf 13 Hektar Fläche, gleich hinter dem SÜLL-Heizkraftwerk, sollen auf dem alten Braunkohlekraftwerksgelände sechs Gebäude zur Unterbringung der Rechner mit einer elektrischen Anschlussleistung von 200 Megawatt, ein Umspannwerk und ein Verwaltungsgebäude entstehen. Auf dem Campus sollen unternehmenseigene Daten verarbeitet und gespeichert werden. Ganz, klar, dabei entsteht Abwärme. Wie die genutzt werden kann, wird nun im Rahmen der Transformationsplanung untersucht.

    Dafür wären zusätzliche technische Lösungen seitens der SÜLL nötig. Mittels Großwärmepumpen könnte die Abwärme aus den Servern (ca. 45 Grad) genutzt werden und in das Lübbenauer Fernwärmenetz eingebracht werden.

    Neubau Fernwärmeanschlüsse

    Unterdessen treibt SÜLL den Neubau von Fernwärmeanschlüssen und die Erweiterung des Fernwärmenetzes voran. „Hauseigentümer und Vermieter können auf die SÜLL zukommen, um Potenziale der Brennstoffumstellung zu ermitteln und Anschlussgebiete auszumachen“, sagt SÜLL-Vertriebsleiter Hannes Schliebner.

    Auch für Luckau wird die Machbarkeit zum Aufbau eines Fernwärmenetzes im Rahmen einer Studie untersucht. Das Fernwärmenetz muss mit Energie aus 70 % erneuerbarer Wärme betrieben werden. Potenzielle neue Anschlussgebiete müssen daher in Absprache mit der Kommune und Kunden betrachtet und bewertet werden.

    Die notwendigen Erzeugungstechnologien müssen enbenfalls versorgungssicher aufgebaut werden. SÜLL-Geschäftsführer Steffen Müller versichert: „Wir suchen weiterhin technologieoffen nach kostengünstigen Alternativen im Rahmen der Wärmewende.“

    Dabei setzt und sucht die SÜLL starke Partner zum Gelingen der Wärmewende auf allen Sektoren der Energiewirtschaft.

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    Keine Angst vor Paragraf 14a

    STADTWERKE ZEITUNG


    Wärmepumpe, Wallbox & Co.

    Keine Angst vor Paragraf 14a

    Die Neuregelung vom Paragraf 14a ist seit Januar 2024 in Kraft.

    Grafik: SPREE-PR

    Die Energiewende in Deutschland schreitet voran, und mit ihr kommen neue Herausforderungen auf das Stromnetz zu. Um die Stabilität der Energieversorgung auch in Zukunft sicherzustellen, hat die Bundesnetzagentur mit dem Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) eine neue Regelung eingeführt.

    Sie ermächtigt Netzbetreiber, wie die Stadtwerke Schwedt, bei einer möglichen Überlastung des Stromnetzes, die Leistung von Wärmepumpen, Wallboxen oder Klimaanlagen zu reduzieren. Im Kundenzentrum der Stadtwerke Schwedt tauchen dazu vermehrt Fragen auf. Manche Kunden machen sich Sorgen, dass ihnen womöglich der „Strom abgedreht“ werden könnte. Wir sprachen darüber mit Benjamin-Julien Kempin, Sachgebietsverantwortlicher Netzleitwarte & Messstellenbetrieb beim Unternehmensverbund Stadtwerke Schwedt.

    Benjamin-Julien Kempin, Sachgebietsverantwortlicher Netzleitwarte & Messstellenbetrieb beim Unternehmensverbund Stadtwerke Schwedt, gibt Antworten auf die brennendsten Fragen zum §14a.

    Grafik: SPREE-PR/Petsch

    Was bedeutet der Paragraf 14a?

    Zunächst einmal, er greift nur bei Haushalten und Unternehmen, die sogenannte „steuerbare Verbrauchseinrichtungen“ betreiben, also Wallboxen, Wärmepumpen, Klimaanlagen und Stromspeicher mit mehr als 4,2 kW elektrischer Anschlussleistung und einem Inbetriebnahmedatum nach dem 31.12.2023. Diese Geräte verbrauchen oft große Mengen an Strom und können bei einer gleichzeitigen Nutzung durch viele Verbraucher das Stromnetz stark belasten. Sie dürfen künftig bei drohenden Netzengpässen in ihrem Leistungsbezug aus dem Netz durch den Netzbetreiber auf 4,2 kW reduziert („gedimmt“) werden. Es fällt also nie eine Wärmepumpe-Heizung komplett aus und auch das E-Auto wird weiter geladen, nur etwas langsamer.

    Wen betrifft das überhaupt?

    Es besteht eine Teilnahmeverpflichtung für alle Betreiber einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung und dessen Verteilnetzbetreiber. Die technische Voraussetzung hierfür ist ein intelligentes Messsystem und eine Steuerbox, die vom Messstellenbetreiber installiert wird. Normaler Haushaltsstrom zählt hier nicht dazu. Das heißt, ein Herd, der Kühlschrank, das WLAN, der Fernseher oder andere an die Steckdose angeschlossenen Geräte sind nicht betroffen. Ebenso nicht das Licht.

    Welche Vorteile haben Kunden?

    Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als ob der Paragraf 14a den Verbrauchern Nachteile bringt. Tatsächlich bietet die Regelung einige Vorteile. Sie sorgt dafür, dass das Stromnetz stabil bleibt und es nicht zu flächendeckenden Stromausfällen kommt. Und: Durch diese technische und regulatorische Möglichkeit darf der Netzbetreiber Kunden ein Netzanschlussbegehren nicht mehr ablehnen. Schließlich besitzt er nun ein „Werkzeug“, die Versorgungssicherheit trotz zunehmender Nachfrage zu gewährleisten. Nicht zu vergessen: Kunden sparen Geld. Betreibern einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung wird etwa ein reduziertes Netzentgelt gewährt (Modul 1). Bei separater Messung z. B. einer Wärmepumpe durch einen zweiten Stromzähler wird der Arbeitspreis der steuerbaren Verbrauchseinrichtung prozentual reduziert (Modul 2). Als Ergänzung zu Modul 1 gibt es ab 1.4.2025 auch die Möglichkeit zu einem „Zeitvariablen Netzentgelt“ (Modul 3).

    Der Kunde darf sich entscheiden: Entweder Modul 1 oder Modul 2 oder Modul 1 und 3.

    Und wie genau sorgt der Paragraf nun für mehr Stabilität im Stromnetz?

    Ganz einfach, der Netzbetreiber erhält einen Überblick, in welchen Netzbereichen eine mögliche Überlastung droht. So kann er zielgerichtet reagieren. Statt, wie bisher, pauschal alle Anlagen für gewisse Sperrzeiten auszuschalten, werden so gezielt die Anlagen eines kritischen Bereichs angesprochen. Das Motto lautet hier: Prävention statt Reaktion! Der Netzbetreiber kann mögliche Gefahren anhand von Prognosen und Quasi-Echtzeitdaten frühzeitig abwenden. Ohne diese Technik kann er nur auf Überlastungen reagieren. Im ungünstigsten Fall geht eine solche Überlastung mit einer Versorgungsunterbrechung einher, die je nach Art länger dauern kann. Und dann wären auch der Herd und das Licht aus.

    Vielen Dank für das Gespräch!

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